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Magische Modelle

Magische Modelle Hier kommt nun der theoretische Teil. Der folgende Überblick kann Dir helfen, die Liebeszauber, die ich in dieser Rubrik gesammelt habe, einzuordnen und zu verstehen.

Gleich vorneweg:
Die Landkarte ist nicht das Land! Nimm die folgenden Modelle als Denkanregungen, es ist unnötig, davon auszugehen, daß irgendetwas davon WAHR ist.



INHALTSÜBERSICHT:

DAS PSYCHOLOGISCHE MODELL

Prämisse:
Das Unterbewußtsein ist die treibende Kraft, die unser Denken und Handeln steuert und somit unsere Realität bestimmt.
Seit Jung und Freud ist dieses Modell dem westlichen Denken wahrscheinlich am angenehmsten. Wie im letzten Kapitel schon dargelegt, geht man davon aus, daß das Unterbewußtsein gezielt angeregt oder trainiert werden kann. Der psychologisch orientierte Magier ist vergleichbar mit einem Programmierer, der als Input Symbole, Farben, Gerüche etc. eingibt, um den gewünschten Output des Unterbewußtseins zu erzielen. Es muß eine Verbindung zwischen dem bewußten Willen und den unterbewußten Fähigkeiten hergestellt werden.Im Wesentlichen basieren die Techniken auf Selbst-Suggestionen, die das Unterbewußte dazu bringen sollen, in die gewünschte Richtung zu arbeiten.

Anregungen zur Vorgehensweise kann man sich zum Beispiel bei den anerkannten Therapeutischen Disziplinen holen. Das Rad muß schließlich nicht immer neu erfunden werden und es ist kein Fehler, auf erprobte Techniken zurückzugreifen.

Ein bekannter und recht umstrittener Vertreter des psychologischen Modells war Austin Osman Spare. Spare ging ziemlich radikal vor und entwickelte ein zweifelsohne brillantes System, das im Wesentlichen die psychiatrischen Behandlungsmethoden in ihr Gegenteil verkehrt. Der Magier kreiert dabei durch bewußt provozierte traumatische Erlebnisse einen künstlichen Komplex. Mit diesen brachialen Methoden wird das Bewußtsein garantiert verändert - allerdings sollte man bei Selbstversuchen ggf. vorsichtig sein.

Anwendungsbeispiel:

Anhand eines - zugegebenermaßen stark vereinfachten - Beispiels möchte ich aufzeigen, inwiefern sich die Modelle in der Praxis voneinander unterscheiden.

Wir nehmen an, ein Magier möchte jemandem, der ein Herzleiden hat, helfen.

Nach dem psychologischen Modell wird der Magier die Krankheit als grundsätzlich psychosomatisch auffassen. Als Heilmittel kann er zum Beispiel Rituale durchführen, die die Widerstandskraft des Patienten stärken, seine Selbstheilungskräfte anregen oder verborgene psychische Probleme zum Vorschein bringen, damit sie gelöst werden können.

Literaturhinweise: Musik Farben C.G. Jung [zurück zur Übersicht]




DAS SPIRITUELLE MODELL
Prämisse:
Es existiert eine jenseitige Welt, die von mehr oder weniger autonomen Wesen, wie z.B. Geistern, Engeln, Dämonen, Göttern etc. bevölkert wird.
Dies ist vielleicht das älteste Modell der Magie. Wir finden es weltweit in vielen Religionen wieder. In schamanistischen Kulturen ist es wohl am ausgeprägtesten.

Der Schamane oder der Magier ist jemand, der bewußt in diese andere Welt eintreten kann. Wer einigermaßen in ihr bewandert ist, kennt ihre Sprache und Bräuche und hat sich dort Freunde gemacht, Feinde besiegt und / oder sich Verbündete und Anhänger erkämpft. Dies ist insofern wichtig, da die magischen Wirkungen von diesen jenseitigen Wesen ausgehen.

Das deutsche Wort "Hexe" zeigt dies sehr deutlich, wenn man die ethymologische Herkunft des Wortes näher betrachtet. Es entwickelte sich aus dem althochdeutschen "Hagazussa", was mit "Zaunreiterin" übersetzt werden kann. Die Hagazussa reitet auf dem Zaun zwischen den Welten, d.h., sie ist genauso in der Welt des täglichen Lebens wie auch in der magischen Welt der Geister zu Hause.

Techniken, um diese Art von Magie auszuüben sind im Groben kontrollierte Trancen oder Extasen, Visionen, Astralreisen, ggf. auch mit Hilfe von Drogen. Experten im fachmännischen Drogeneinsatz sind insbesondere die Schamanen.

Bekannte Verfechter dieses Modells sind zum Beispiel Franz Bardon oder Aleister Crowley.

(Yep. Ich sagte Crowley. Bei allem wissenschaftlichen Anspruch, den Crowley für sich erhob, berief er sich im Wesentlichen auf seinen Schutzgeist/Alter Ego Aiwass.)

Beispiel Herzpatient:

Nach dem spirituellen Modell wird Heilung als Exorzismus betrachtet: die Krankheit wird vom "Bösen" verursacht oder von unerwünschten Wesenheiten, die der Schamane oder Magier nun neutralisieren oder austreiben muß. Wenn der Patient ein Herzleiden hat, kann der Schamane zum Beispiel einen Eidechsenartigen Dämon in der Nähe des Herzens "sehen", die er vertreiben muß. Um das zu erreichen kann er seine eigenen Geister anrufen, die ihm bei dieser Aufgabe helfen.

Literaturhinweise: Schamanismus Engel Wicca, Hexen Franz Bardon Aleister Crowley [zurück zur Übersicht]




DAS ENERGIEMODELL
Prämisse:
Die Welt besteht aus einem Geflecht von subtilen Kräften oder Energieströmen. Diese Ströme können mit den richtigen Techniken gelenkt werden.
Im östlichen Kulturkreis ist dieses Denkmodell seit Jahrtausenden verbreitet, im westlichen Kulturkreis hat es nach und nach Eingang gefunden.

Die Hauptaufgabe des Magiers besteht darin, die Ströme der (Lebens-)Energie wahrzunehmen und zu manipulieren. Die Annahme einer Jenseits-Welt ist dazu nicht nötig. Der Magier ist vielmehr ein "Energietänzer" als ein "Zaunreiter". Theorien und Praktiken, die in Verbindung zum Energie-Modell stehen können bei vielen Autoren gefunden werden.

Anton Messmer zum Beispiel entdeckte gegen Ende des 18. Jahrhunderts ein Heilverfahren, das aus einer Mischung aus Hypnose und - wie er es bezeichnete - "Magnetismus" bestand. Bulwer Lytton schrieb über eine Lebensenergie, die er "VRIL" nannte; Eliphas Levi und Mme. Blavatsky verquickten westliche Theorien mit östlichen Einflüssen und sprachen vom "astralen Licht" oder "Prana". Wilhelm Reich (der sich selbst niemals als Magier bezeichnet hätte) experimentierte mit einer Energie, die er "Orgon" nannte.

In der westlichen Praxis werden z.B. Kristalle angewendet, um die Energien zu leiten oder mit Wünschelruten und Pendeln kann man Strömungen auf die Spur kommen.

Im asiatischen Kulturkreis ist die Weltsicht des Energiemodells extrem weit verbreitet. Yoga oder Feng Shui basieren z.B. auf diesem Modell, auch die Arbeit mit Kundalini-Energie oder mit Chakren ist hier angesiedelt.

Beispiel Herzpatient:

Dem Energie-Modell nach werden Krankheiten als energetisches Ungleichgewicht gesehen. In dem Fall hat unser Herz-Patient vielleicht zuviel (oder auch zuwenig) "Feuer-Energie" in seinem Herz-Chakra, und die Aufgabe des Magiers besteht darin, die Balance zwischen den Energien wieder herzustellen. Er kann das bewerkstelligen, indem er Hand auflegt, indem er Kristalle oder Edelsteine benutzt, durch Chakra-Massage oder durch die Anwendung von Magneten etc.. Wenn das Gleichgewicht der Kräfte wieder hergestellt ist, kann der Patient gesund werden.

Literaturhinweise:

Pendeln Eliphas Levi Madame Blavatsky [zurück zur Übersicht]




DAS META-MODELL
Prämisse:
Nichts ist wahr, alles ist erlaubt.
Das Meta-Modell ist an sich kein eigenständiges Weltbild. Vielmehr eine Anweisung, wie die anderen Modelle zu gebrauchen sind. Der Kernpunkt ist: Benutze immer das Modell, das Dich am effizientesten zum Ziel führt.

Das mag simpel klingen, Voraussetzungen sind aber immerhin eine gehörige Portion Offenheit, Experimentierfreude und die Fähigkeit nichts und schon gar nicht sich selbst zu ernst zu nehmen.

In der Praxis wird sowieso kaum jemals eines der Modelle in Reinform angewendet. Eine Hexe kann sich zum Beipiel mit Hilfe einer Beschwörung (psychologisches Modell) darauf vorbereiten, die Elementargeister herbeizurufen (spirituelles Modell); ein Kartenleger, der nach psychologischen Gesichtspunkten vorgeht, kann sich z.B. mit Kristallen oder Atemübungen (Energiemodell) auf eine Tarotsitzung einstimmen.

Ich weiß, daß es Leute gibt, denen ein aufwendiges Ritual zu pathetisch ist, denen Engel zu kindisch sind oder die Schamanen gleich in die Junkie-Ecke drängen. Jo. Sicher hat jeder seinen Grund, warum er mit einem bestimmten Modell arbeitet.

Alles kein Problem, erlaubt ist, was funktioniert. Engstirnigkeit bringt niemanden weiter und nichts ist überflüssiger als ein Glaubenskrieg.

Beispiel Herzkrankheit:

Dem Meta-Modell nach wird der Magier sich entscheiden, aus welchen Komponenten er die Behandlungsmethoden für den Herzpatienten zusammenstellen kann. Das hängt zum einen davon ab, zu welchen Disziplinen der Magier selbst eine große Affinität hat und zum anderen, wofür der Patient am empfänglichsten ist.

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